Was tun bei ...        
- Mittelohrentzündung ?        
         

Mittelohrentzündungen bei Kindern bessern sich häufig auch ohne die Einnahme von Antibiotika. Wissenschaftliche Studien aus vielen Ländern haben gezeigt, dass die Mittelohrentzündung bei den meisten Kindern, die nur mit Paracetamol-Saft behandelt wurden, nach wenigen Tagen gebessert war. Tatsächlich ging es 17 von 20 Kindern, die auf diese Weise und ohne Antibiotika behandelt wurden, bald besser. Wenn alle 20 Kinder Antibiotika eingenommen hätten, wäre nur ein Kind mehr in der gleichen Zeit gesund geworden und es gibt zurzeit noch keine Möglichkeit vorher herauszufinden, welches der 20 Kindern das sein würde. Außerdem muss man damit rechnen, dass ebenfalls eins von diesen 20 Kindern unter der Antibiotika-Therapie Nebenwirkungen entwickelt hätte (z. B. Ausschlag, Durchfall, Erbrechen).

Eine Antibiotika-Therapie konnte die Schmerzen in den ersten 24 Stunden nicht lindern und es gab im weiteren Verlauf keine Unterschiede in der Häufigkeit wiederholter Mittelohrentzündungen oder von Hörstörungen im Vergleich zu den Kindern, die keine Antibiotika eingenommen hatten. In den Niederlanden werden Antibiotika schon seit mehreren Jahren nicht mehr routinemäßig bei Mittelohrentzündungen verabreicht. Dort gibt es jetzt weniger Probleme mit Antibiotika-Resistenzen (Bakterien, die nicht mehr auf ein Antibiotikum ansprechen) als vorher.

In Anbetracht dieser Erkenntnisse wollen wir in unserer Praxis Antibiotika nicht immer bei einer Mittelohrentzündung verschreiben. Wir empfehlen und verschreiben primär eine Behandlung mit Paracetamol-Saft, wordurch Fieber und Schmerzen gelindert werden. Der Saft sollte in der angegebenen Dosierung solange gegeben werden, bis die Ohrenschmerzen ganz nachgelassen haben. Ganz wichtig ist die Gabe von abschwellenden Nasentropfen. Sie bewirken, dass das Sekret aus dem Mittelohr gut in den Nasen-Rachenraum ablaufen kann.

Sollte die Mittelohrentzündung über den mit uns besprochenen Zeitraum hinaus anhalten, oder auch, wenn es Ihrem Kind besonders schlecht geht, dann könnte eine Antibiotikatherapie zum Einsatz kommen. Dies sollte im Einzelfall während der Sprechstunde mit uns besprochen werden.

Viel Erfolg und gute Besserung wünschen Ihnen

Dr. med. Holmer Drews    und   Michael Hörz-Kempf

 

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